Oct 7, 2016

# buchprojekt ein unerwarteter Freund # kinderbücher menschenrechte

Mauro Cicarè: ich glaube nicht, dass es ohne die ästhetische Erziehung wahres Wachstum geben kann

von Milena Rampoldi, ProMosaik. Hier im Folgenden mein Interview mit dem Künstler und Illustrator Mauro Cicarè aus Italien über die Bedeutung der Kunsts zwecks Übermittlung menschenrechtlicher Inhalte. Die Biographie von Mauro finden Sie auf seiner Webseite. Mauro hat u.a. das Kinderbuch von Stefano Montanari illustriert, das wir gestern vorgestellt haben. Für ProMosaik basiert die Erziehung zu den Menschenrechten auf der Kombination zwischen dem literarischen und ästhetischen Aspekt, der sich in den Kulturen und Religionen, in der er sich entwickelt, wesentlich und diversifiziert ist.



Milena Rampoldi: Welche Bedeutung hat die Illustration für Sie im politischen und pädagogischen Bereich?

Mauro Cicarè: Ich halte sie für sehr wichtig, unter der Voraussetzung, dass sie nicht Veranschaulichungs-, rhetorische oder Indoktrinierungszwecke verfolgt und somit nicht abwegig ist.
Wenn die Illustration den Anforderungen der eigenen Sprache entspricht und qualitativ ist, befinden wir uns immer vor einem absolut positiven Produkt, sei es in pädagogischer als auch in ästhetischer Hinsicht. Ich denke nicht, dass es ohne die ästhetische Erziehung wahre Entwicklung geben kann und hoffe, in diesem Sinne gute Arbeit geleistet zu haben.

MR: Was kann ein Bild vermitteln, was Worte nicht können? 

MC: Das Bild unterscheidet sich vom Wort aufgrund dessen, dass es Begriffe, Personen und Umgebungen visuell zugänglich macht. Im Wesentlichen ist ein Bild die visuelle und ästhetische Darstellung der Welt. Um ein Beispiel anzuführen: das Wort „Ameise“ kann in einem Text viele Ameisentypen bedeuten; im Bild hingegen sehen wir einen ganz besonderen Ameisentyp. Und das ist unsere Figur (der oder die, mit dem/der wir uns in der Erzählung identifizieren), d.h. die Welt, die wir mit unseren Bildern schildern werden.

MR: Warum haben Sie sich dazu entschieden, an einem Kinderbuchprojekt teilzunehmen?

MC: Ich habe mich entscheiden, am Projekt teilzunehmen, weil mir die Erzählung gefallen hatte. Ich dachte mir einfach, es wäre vor allem in unserer Zeit notwendig, eine solche Geschichte zu erzählen. Denn sie spricht von wesentlichen ethischen und politischen Werten, wenn man sich ihre genaue und intrinsische Bedeutung ansieht. Gleichzeitig ist sie aber auch unterhaltsam und evokativ! Vor allem wenn man sie an Kinder und ein junges Publikum im Allgemeinen richtet.

MR: Wie kann die Kunst Ihrer Meinung nach einen Beitrag im Bereich der Menschenrechte leisten?
MC: Wie wir in der gesamten Geschichte des Menschen sehen, kann die Kunst einen großen und gleichzeitig auch kleinen Beitrag dazu leisten. Sie kann viel leisten, weil diese wesentliche Lehre immer sehr stark präsent ist; aber gleichzeitig leistet die Kunst auch einen sehr geringen Beitrag, wenn wir uns ansehen, wie schnell diese Lehre in Vergessenheit gerät, wenn wir auf die Gräueltaten unseres alltäglichen Lebens zurückkehren.
Die Kunst ist aber auch in dieser schwierigen Zeit im Bereich der Menschenrechte präsent. So würde ich daraus schließen, dass die Kunst auf jeden Fall einen großen Beitrag im Bereich der Menschenrechte leisten kann, vor allem in Form einer  unabdingbaren ästhetischen Erziehung, die zu dem führt, was ich gerade angesprochen habe.

MR: Wie kann die Kunst Ihrer Meinung nach dazu beitragen, den Dialog und die Akzeptanz der Unterschiede zu fördern?
MC: Beispielsweise mit Büchern wie Ein unerwarteter Freund, das von einem Freund erzählt, der vollkommen anders ist als du und dein Leben vollkommen verändert! Und dann versteht du auch, dass die Diversität unabdingbar ist. Ja, sie ist manchmal auch schwierig und komplex, aber sie bereichert dich auf jeden Fall. In der Kunst, wie im Leben, ist diese Dimension einfach da.



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