Feb 13, 2021

Ma Mya, erste Märtyrerin des Aufstandes in Myanmar: sie wurde während einer Anti-Putsch-Demonstration von der Polizei erschossen

February 13, 2021 0 Comments

von San Yamin Aung, Tlaxcala, 12. Februar 2021. In dieser Nacht wurde der Hirntod der 20jährigen Studentin Ma Mya Thwate Thwate Khaing erklärt, die am Dienstag während einer Kundgebung gegen den Putsch in Naypyitaw von einem Polizisten einen Kopfschuss erlitt.


Die 20-Jährige brach abrupt zusammen, nachdem sie während einer Protestkundgebung am Dienstag einen Kopfschuss erlitt. / Facebook

Die Videoaufnahmen, die sich viral auf Facebook verbreiteten, zeigen klar, dass die junge Frau nicht versucht hatte, die Polizeiabsperrungen zu überschreiten. Sie brach plötzlich zusammen, nachdem sie von einer Kugel in den Kopf getroffen worden war, als sie in einer Bushaltestelle vor Wasserwerfern in Deckung ging.


 

Zusammenstellung von Bildschirmfotos aus Videomaterial mit Aufnahmen des Schusses auf Ma Mya Thwate Thwate Khaing

Die Kugel, die sie traf, war eine echte Kugel und kein Gummigeschoss, berichtete ein Arzt eines medizinischen Teams in Naypyitaw gegenüber The Irrawaddy. Er bat aber, seine Anonymität zu wahren. Er fügte noch hinzu, dass die Kugel den Motorradhelm durchbohrte, den sie trug und in ihrem Kopf steckte.

„Sie ist hirntot. Die Kugel, die in ihrem Kopf steckte, ist immer noch da; sie kann nicht entfernt werden“, meinte der Arzt. Er fügte hinzu, dass Ma Mya Thwate Thwate Khaing keine Chance auf Genesung hätte, weil sie durch künstliche Lebenserhaltung am Leben erhalten wird. Im Moment befindet sie sich auf der Intensivstation des 1.000-Betten-Krankenhauses in Naypyitaw.




Die Polizei schießt auf unbewaffnete Demonstranten, die keinen Versuch unternommen haben, die Absperrungen zu überschreiten. / Facebook

Berichten zufolge beantragte das Militär die Überstellung von Ma Mya Thwate Thwate Khaing in ihre Einrichtung, doch die Ärzte des Naypyitaw-Krankenhauses weigerten sich, dem Befehl Folge zu leisten und behielten die Patientin unter ihrer Obhut.

Die junge Demonstrantin gab zum ersten Mal ihre erte Stimme bei den Parlamentswahlen 2020 ab, deren Ergebnisse vom Militär abgelehnt wurden. Man geht von der allgemeinen Annahme aus, dass sie in der Menge als Zielscheibe ausgewählt wurde, da sie eine rote Bluse trug. Rot ist die Farbe der Nationalen Liga für Demokratie, der gestürzten Regierungspartei, unter der Führung der inhaftierten Staatsrätin Daw Aung San Suu Kyi.


Eine ihrer besten Freundinnen erzählte The Irrawaddy, dass sie vor ihrer Erschießung Feierlichkeiten für ihren 21. Geburtstag am Donnerstag planten. Sie bereitete sich auch darauf vor, ihre Immatrikulationsprüfung zu wiederholen, sobald ihre Schule, die derzeit wegen COVID-19 geschlossen ist, wiedereröffnet würde.

Der Schuss wurde breitflächig als Gräueltat angeprangert, da die Polizei Berichten zufolge absichtlich zielte und tödliche Waffen abfeuerte, die nicht zur Kontrolle von Unruhen bestimmt waren. Die Polizei schoss bei dieser Gelegenheit auf unbewaffnete Demonstranten, die gar nicht versuchten, die von den Behörden festgelegten Absperrungen zu überschreiten. In den sozialen Medien wurde ein Bild sehr oft verbreitet. Darauf ist ein stellvertretender Polizeichef abgebildet, der die Sicherheitskräfte in Naypyitaws Thapyaygone überwacht und eine Waffe auf Demonstranten richtet, die gewaltsam zerstreut wurden.




Ein Plakat mit einer blutgetränkten Ma Mya Thwate Thwate Khaing hängt an einer Überführung in Hledan, Yangon, als die Demonstranten am Mittwoch ihre Protestaktion fortsetzten. Foto Zaw Zaw Htwe / The Irrawaddy

Ein weiterer Demonstrant, dem in die Brust geschossen wurde, wurde ebenfalls ins Krankenhaus eingeliefert. Mindestens vier weitere Personen wurden dabei ebenfalls während des gewaltigen Einschreitens der Polizei durch Schüsse verletzt.

Nach dem gewaltsamen Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten in Naypyitaw, Mandalay und anderen Städten am Dienstag äußerten das UN-Büro in Myanmar und die US-Regierung Besorgnis über die Behandlung friedlicher Demonstranten durch das Militärregime und prangerten den Einsatz unverhältnismäßiger Gewalt gegen die Demonstranten als „inakzeptabel“ an.


Feb 12, 2021

Honduras: Gewaltsamer Tod in Polizeigewahrsam

February 12, 2021 0 Comments

von Jutta Blume, amerika21, 12. Februar 2021. Öffentlichkeit, AI und das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte in Honduras fordern Aufklärung des Todes von Keyla Patricia Martínez im Polizeigewahrsam

QUELLE: @COPINHHONDURAS

La Esperanza. Der Tod der 26-jährigen Studentin Keyla Patricia Martínez in La Esperanza/Intibucá hat landesweit Empörung und Proteste ausgelöst. Auch sonst eher unkritische Medien erheben Zweifel an der Behauptung der diensthabenden Polizisten der Nationalpolizei, dass es sich um einen Selbstmord gehandelt haben soll. Yuri Mora, Sprecher der Staatsanwaltschaft, sagte nach Abschluss der Autopsie, dass es sich um Mord handle.

Martínez war zusammen mit einem Freund in der Nacht vom 6. auf den 7. Februar festgenommen worden, weil sie die wegen der Covid-Pandemie verhängte Ausgangssperre missachtet hatten. Der Freund wurde später wieder freigelassen, während die junge Frau in Gefangenschaft blieb. In der Nacht habe sie dann versucht, sich in der Zelle zu erhängen. Sie sei ins Krankenhaus gebracht worden, wo sie dann verstorben sei, so der Bericht der Polizisten. Dies deckt sich allerdings nicht mit dem Aufnahmeprotokoll des Krankenhauses, wonach Martínez bei ihrer Einlieferung schon tot war.

Bereits in der Vergangenheit hatten junge Frauen von Übergriffen durch Polizisten in La Esperanza berichtet. Zwei junge Frauen erzählten im Fernsehprogramm von HCH, Polizisten hätten sie Mitte Januar willkürlich verhaftet und körperlich angegriffen. Dabei hätte einer der Beamten außerdem ihr Bargeld gestohlen.

Merly Eguigure, Koordinatorin der Frauenbewegung für den Frieden Visitación Padilla, betont die Gefahr durch die Ausgangsbeschränkungen: "In diesem Land ist es ohnehin schon ein hohes Risiko, eine Frau zu sein, aber mit der Ausgangssperre ist es noch größer, wenn wir sehen, dass die Staatsgewalt, die unsere Leben schützen soll, diese Leben verletzt." Allein im Jahr 2021 wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle der Autonomen Nationalen Universität (UNAH) in Honduras bereits 25 Femizide registriert.

Auch internationale Organisationen wie Amnesty International fordern eine umfassende und unabhängige Untersuchung des Falls, ebenso das Büro des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte in Honduras. Verurteilt hat dieses auch das gewaltsame Vorgehen der Polizei gegen Proteste in La Esperanza.

Nicht nur Frauen werden Opfer von Gewalt in Polizeigewahrsam. Seit Verhängung von Ausgangssperren im Zuge der Pandemie ist es im ganzen Land immer wieder zu Todesfällen und Folter in Polizeistationen gekommen, wie Menschenrechtsorganisationen berichten. Dabei sei auch von einer Dunkelziffer auszugehen, da viele Betroffene aus Angst vor weiteren Repressalien nicht über ihre Erlebnisse berichten.

 


Patente aufheben, Pandemie besiegen

February 12, 2021 0 Comments

von Benny Kuruvilla, IPG Journal, 10. Februar 2021. Das Fiasko mit Astra Zeneca entlarvt die Heuchelei der EU. Im eigenen Interesse beruft sie sich auf Ausnahmen – für ärmere Länder lehnt sie diese ab.

DPARaphaels „Drei Grazien“, angepasst an den Corona-Winter 2021.

Und wem dienen sie?

Während die Pandemie ins zweite Jahr geht, listet die WHO acht Covid-19-Impfstoffe auf, die bereits allgemein eingesetzt werden. Weitere Impfstoffe befinden sich noch im Zulassungsverfahren. Das ist in der Impfgeschichte beispiellos. Es böte der Weltgemeinschaft, wenn sie auf internationaler Ebene effizient zusammenarbeiten würde, eine reelle Chance, 2021 sowohl die Pandemie zu bewältigen als auch die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Stattdessen steht die Welt nach Meinung des WHO-Generaldirektors Tedros Adhanom Ghebreyesus bei der Impfstoffverteilung am Rande eines „katastrophalen moralischen Versagens“. Die Welt steckt in einer Sackgasse des „Impf-Nationalismus“. Während sich die reichen Länder Verträge sicherten, mit denen sie ihre gesamte Bevölkerung bis Jahresende dreimal impfen können, werden 85 arme Länder erst Anfang 2023 Impfstoffe einführen können – wenn überhaupt.

Dass reiche Länder aus Profitgründen Impfstoffe horten, stellt eine „Impfstoff-Apartheid“ dar, die nicht nur den reichen Ländern ein unberechtigtes Privileg gewährt. Die Pandemie wird damit naiverweise als nationales oder regionales Problem behandelt, obwohl sie ganz offensichtlich globaler Natur ist. Dabei könnte, wie eine aktuelle Studie belegt, der Impf-Nationalismus wegen der weltweiten wirtschaftlichen Verflechtungen allein die reichen Länder 4,5 Billionen US-Dollar kosten.

Die allermeisten armen Länder – also der größte Teil der Weltbevölkerung – können froh sein, wenn sie bis zum Ende des Jahres auch nur zehn Prozent ihrer Bevölkerung impfen können.

Doch trotz des ohnehin massiven Ungleichgewichts zugunsten der EU hat die EU den Pharmariesen Astra Zeneca scharf angegriffen, als das Unternehmen ankündigte, weniger als die Hälfte der bis März 2021 versprochenen 80 Millionen Impfdosen auszuliefern. Damit durchkreuzte der Pharmakonzern die Pläne der EU, bis zum Ende des Sommers 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung zu impfen. Die allermeisten armen Länder – also der größte Teil der Weltbevölkerung – können hingegen froh sein, wenn sie bis zum Ende des Jahres auch nur zehn Prozent ihrer Bevölkerung impfen können.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen behauptete noch im November, die beste Strategie gegen das Virus sei geopolitische Kooperation statt Konkurrenz. Doch ihr derzeitiges Fiasko mit Astra Zeneca hat die Heuchelei der EU entlarvt, drohte die EU doch damit, sich im Interesse Europas auf dieselben Ausnahmeregelungen zu berufen, die sie für die Bürgerinnen und Bürger des globalen Südens gerade ablehnt.

Auf internationaler Ebene verstecken sich die reichen Länder und die Pharmakonzerne hinter dem so harmlos klingenden „geistigen Eigentum“, das mit katastrophalen Folgen durchgesetzt wird. Seit seiner Einführung im Jahr 1995 ist das Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums (TRIPS) der wohl schwächste Baustein der Welthandelsorganisation (WTO). Während das TRIPS-Abkommen paradoxerweise die Monopolrechte von Unternehmen gestärkt hat, ermunterten die übrigen WTO-Abkommen zu Wettbewerb, Deregulierung und Freihandel.

Genau wie vor 20 Jahren blockiert eine mächtige Clique reicher Länder unter Führung der EU, der USA, Großbritanniens und Japans eine Ausnahmeregelung mit dem Argument, ein Patentverzicht würde die Innovationstätigkeit ausbremsen.

Als in den späten 1990er-Jahren die HIV/Aids-Epidemie grassierte, kosteten patentierte antiretrovirale Arzneimittel für ein Jahr rund 12 000 US-Dollar pro Patient. Der südafrikanische Präsident Nelson Mandela machte sich zum Wortführer eines weltweiten Protests mit dem Ziel, Zugang zu bezahlbaren lebensrettenden antiretroviralen Medikamenten zu erhalten. Er setzte sich über die TRIPS-Bestimmungen hinweg und startete einen Frontalangriff gegen die Großen der Pharmaindustrie. Der indische Generikahersteller Cipla reagierte auf diesen Vorstoß und verblüffte die Welt im Februar 2001 mit der Einführung eines Medikaments zur Aids-Bekämpfung, das weniger als ein US-Dollar pro Tag kostete.

Ermutigt durch diesen Erfolg, setzten die Entwicklungsländer sich gegen den Widerstand der USA und der EU durch und erstritten im November 2001 die Doha-Erklärung zum TRIPS-Abkommen, die das Recht auf öffentliche Gesundheitsfürsorge und den Zugang zu Arzneimitteln betont. Zwei Jahrzehnte und eine weitere globale Gesundheitskrise später führen dieselben Akteure dasselbe Stück nach einem ganz ähnlichen Drehbuch noch einmal auf.

Im Oktober 2020 brachten Südafrika und Indien bei der WTO einen Vorschlag für eine Ausnahmeregelung („Waiver“) vom TRIPS-Abkommen für Patente, Gebrauchsmuster und Geschäftsgeheimnisse ein, die den Zugang zu Impfstoffen und Medikamenten oder die Herstellung von Medizinprodukten beschränken, die zur Bekämpfung von Covid-19 dringend benötigt werden. Seit Kenia, Pakistan, Venezuela, Ägypten und Bolivien sich als „Ko-Sponsoren“ für die Initiative einsetzen und mittlerweile knapp 100 WTO-Mitgliedstaaten sie ebenfalls befürworten, hat der Vorstoß mehr Gewicht bekommen. Auch die WHO, das Gemeinsame Programm der UN zur Reduzierung von HIV/Aids und mehrere UN-Sonderberichterstatter sprechen sich für die Ausnahmeregelung aus.

Genau wie vor 20 Jahren blockiert eine mächtige Clique reicher Länder unter Führung der EU, der USA, Großbritanniens und Japans die Ausnahmeregelung mit dem Argument, ein Patentverzicht würde die Innovationstätigkeit ausbremsen und das TRIPS-Abkommen biete bereits flexible Möglichkeiten für die öffentliche Gesundheitsfürsorge.

Bei Innovationen spielt die Finanzierung durch die Unternehmen nur eine marginale Rolle.

Beide Argumente sind sachlich falsch. Laut einer Studie über 210 Medikamente, die zwischen 2010 und 2016 von der US Food and Drug Administration zugelassen wurden, leistete die staatliche Förderung durch die National Institutes of Health den größten Beitrag zur Finanzierung von Forschung und Innovation. Eine neuere Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Regierungen 2020 mindestens 88 Milliarden Euro für Covid-19-Impfstoffhersteller bereitstellten. Dies zeigt deutlich, dass bei Innovationen die Finanzierung durch die Unternehmen nur eine marginale Rolle spielt.

Die Entwicklungsländer bringen in der WTO schon seit Langem vor, dass die strengen Bestimmungen des TRIPS-Abkommens es praktisch unmöglich machen, bestehende Spielräume zu nutzen, und dass jeder Versuch, diese Spielräume in Anspruch zu nehmen, Druck und handelspolitische Vergeltungsmaßnahmen seitens einflussreicher Mitglieder wie der EU und der USA hervorrufen.

Die TRIPS-Ausnahmeregelung kann eine entscheidende Rolle bei der zügigen Ausweitung der Impfstofflieferungen spielen. Da das Know-how zur Herstellung des Astra-Zeneca-Impfstoffs relativ weit verbreitet ist, kann die Produktion in Unternehmen in den Entwicklungsländern ausgebaut werden. In Indien hat nur das Serum Institute of India, das mit der Nachfrage kaum Schritt halten kann, eine Produktionslizenz. Es ist ein Skandal, dass Astra Zeneca von der EU weniger als zwei US-Dollar für eine Dosis verlangt, während das weitaus ärmere Thailand rund fünf US-Dollar pro Dosis zahlen muss. Die Herstellung im eigenen Land wird den Staaten helfen, die Kosten erheblich zu senken.

Sollte es den USA und der EU ernst sein mit ihrer Absicht, in Sachen Impfstoff ihren Beitrag zu einer weltweiten Gemeinschaftsanstrengung zu leisten, müssten sie den Vorschlag für eine Ausnahmeregelung unterstützen. Die Pandemie ist ein globales Problem, das eine globale Lösung und nicht eine Reihe von nationalen Lösungen erfordert. Es ist absolut entscheidend, dass alle Länder schnell und entschlossen handeln und die Menschen und ihre Gesundheit über den Profit stellen. Nur dann können wir diese Pandemie besiegen.

Aus dem Englischen von Christine Hardung

 

Feb 11, 2021

Malainin Lakhal - poesia sahrawi, esilio e lotta contro il colonialismo

February 11, 2021 0 Comments

Di Milena Rampoldi, ProMosaik, 7 febbraio 2021. Le poesie del giornalista, attivsta per i diritti umani a favore dell’indipendenza dell’ultima colonia africana, il Sahara Occidentale, sono state pubblicate quest’anno da ProMosaik in traduzione inglese, tedesca ed italiana. Sono convinta dell’importanza della poesia a servizio della lotta per i popoli oppressi, perché credo nell’intensità estetico-espressiva della poesia che è un linguaggio universale che non solo esprime sentimenti personali, ma anche concetti, lotte e impegni politici a favore della giustizia. La poesia sahrawi per me si eleva ad una dimensione di lotta anticolonialista anche quando non parla direttamente della resistenza e focalizza su temi quali l’anelito per la patria, l’esilio, la madre, la donna, l’amore e il sentimento in generale.


 

L’aspetto che mi ha più colpito nelle poesie di Malainin Lakhal è proprio questo aspetto dell’abituale, del flusso della vita, dell’esistenza fondata sempre sul senso dell’essere esule, dell’essere fuori e dunque oppresso. La lontananza geografica dalla propria terra alla quale vi sarà solo ritorno quando sarà decolonizzata per la seconda volta e diverrà repubblica araba sahrawi indipendente dal gioco della monarchia marocchina.

Le violazioni dei diritti umani da parte della monarchia marocchina continuano indisturbate nei territori occupati. Per Malainin non vi sono soluzioni di compromesso, ma solo una possibilità per porre fine al conflitto. E questa unica opzione consiste nel restituire al popolo sahrawi il loro territorio sul quale istituire una repubblica araba sahrawi indipendente. E questa opzione decolonizzerebbe tutta l’Africa, in quanto il Sahara Occidentale è l’ultima colonia africana.

Il Sahara Occidentale a livello internazionale è un paese dimenticato da tutti, un deserto ricco di risorse che vengono sottratte al popolo sahrawi sotto gli occhi di tutti. Il mondo tace e il Sahara Occidentale continua a soffrire ormai da decenni. Sono poche le voci che si oppongono al Re di Marocco. La comunità internazionale sembra cieca.

Il destino del popolo del Sahara Occidentale, sparso per i campi profughi e fuggito all’estero, è segnato. Non vi è ritorno nel proprio paese, colonizzato dal Marocco. È simile, anche se molto diverso dal destino palestinese, uiguro e rohingya.

Contro la sordità del mondo credo la poesia possa fare molto di più di quanto si creda mai possibile.

I temi affrontati da Malainin ci permettono di accedere al mondo culturale del Sahara Occidentale, alla sua geografia, alla sua etnografia. Ci permettono inoltre di cogliere la dimensione esistenziale del poeta oppresso, in quanto resiste in una situazione di colonialismo che non riesce a sconfiggere. Nasce in lui il sentimento dell’alienazione, della sofferenza che caratterizza sia la sua vita nella sua patria occupata che fuori come esule che non può tornare. Sogna del ritorno a testa alta nella Repubblica libera sahrawi per la festa nazionale. Tutti i versi di Lakhal sono caratterizzati da questa ricerca e dalla poesia come mezzo di espressione della situazione dell’esilio, dell’anelito alla patria che viene trasformata in simboli fisici quali gli occhi, il seno della madre.

Scrive come proprio questo senso di alienazione e esilio insopportabile si trasforma in un canto poetico, nel mezzo di un campo profughi:

Il dolore di essere straniero è presente nella mia anima

Il dolore di essere straniero segna i miei sospiri

Il dolore di essere straniero è un ritmo che mi compone

Della nostalgia che caratterizza la mia voce

E costituisce l’essenza del mio canto

In una prigione gialla che sembra un miraggio.

Nella poesia intitolata “Leyla”, anch’essa dedicata alla patria come dimensione femminile della vita, Lakhal rievoca il compito del poeta che non consiste nel pianto, ma nella narrazione. Il suo compito è quello di parlare del suo dolore, di farlo conoscere al mondo per poter preparare la lotta per la libertà e la decolonizzazione.

A tal punto i venti del deserto ti urlano in faccia:

Sei stato abbandonato, così come dimentichi il suo amore,

Sei stato abbandonato per avere una storia d’amore da narrare,

Dunque mettiti a cantare e smettila di versare lacrime

Canta ed interrompi il tuo pianto.

Il cuore dell’esiliato è un cuore pesante, un cuore sofferente, colmo di memorie del deserto, della sua luna e della sua sabbia. L’esilio per il poeta è un’ossessione beduina. La notte rappresenta il dolore, il silenzio, la sofferenza e la crudeltà, che sposato con l’amore per la patria perduta si trasforma in poesia.

Ancora il senso della patria è un senso dell’assenza, della mancanza, che però mai perde di vista l’utopia politica della decolonizzazione e della liberazione della terra sahrawi dal giogo marocchino.


Qui trovate il libro in lingua italiana.




 

Malainin Lakhal - Sahrawi-poetry, exile, and anti-colonialist struggle

February 11, 2021 0 Comments

By Milena Rampoldi, ProMosaik, 7 February 2021. The poems of the journalist, human rights activist for the independence of the last African colony, the Western Sahara, were published this year by ProMosaik in English, German and Italian. We are convinced of the importance of poetry in the service of the struggle for oppressed peoples, because we believe in the aesthetic-expressive intensity of poetry which is a universal language that not only expresses personal feelings, but also concepts, struggles and political commitments in favour of justice.

For us, Sahrawi poetry rises to a dimension of anti-colonial struggle even if it does not speak directly of the resistance and focuses on themes such as the yearning for the homeland, exile, mother, woman, love and feelings in general.

The aspect that struck us most in Malainin Lakhal's poems is precisely this aspect related to the habitual, to the flow of life, and to a “normal” existence always founded on the sense of being in exile, outside and consequently oppressed.

The geographical distance from his own land to which there will only be a return when it is decolonised for the second time and becomes a Sahrawi Arab republic independent from the yoke of the Moroccan monarchy.

The human rights violations committed by the Moroccan monarchy continue undisturbed in the occupied territories.

For Malainin, there are no compromise solutions. The only option is to end the conflict.

And this only option is to give back to the Sahrawi people their territory so that here they can establish an independent Sahrawi Arab republic.

And this option would decolonize the whole African continent, as the Western Sahara is the last African colony.

Internationally, the Western Sahara is a country forgotten by all, a desert rich in resources stolen from the Sahrawi people for all to see.

The world is silent and the Western Sahara has continued to suffer for decades.

There are few voices opposing the King of Morocco.

The international community seems to be blind.

The destiny of the people of Western Sahara, scattered in refugee camps and fled abroad, is sealed.

There is no return to the homeland because it is colonised by Morocco.

The Sahrawi destiny is both similar and very different from the Palestinian, Uyghur and Rohingya fate.

We are convinced that poetry can do more than ever thought possible to oppose to the deafness of the world.

The poetical themes addressed by Malainin allow us to access the cultural world of the Western Sahara, its geography, and its ethnography.

Furthermore, they allow us to grasp the existential dimension of the oppressed poet, as he resists in a situation of colonialism he is unable to defeat.

Deep in his soul, the poet develops the feeling of alienation and suffering characterising both his life in his occupied homeland and outside as an exiled who cannot return to his homeland.

He dreams of returning with his head-on to the Sahrawi Free Republic for the national holiday.

All verses written by Lakhal are characterised by this search and by a poetical vision seen as a means of expression reflecting the situation of exile, of the yearning for the homeland transformed into physical symbols such as the eyes, and the mother's breast.

He writes how precisely this sense of alienation and unbearable exile is transformed into a poetic song, in the middle of a refugee camp:

The pain of being a stranger is in my soul

The pain of being a stranger marks my sighs

The pain of been a stranger is a rhythm composing me

Of nostalgia marking my voice

And putting the essence of my song

In a yellow prison looking like a mirage.

 

In the poem entitled "Leyla", also dedicated to the homeland as a female dimension of life, Lakhal evokes the poet's task which does not consist in crying, but in narration.

His task is to speak out his pain, to make it known to the world in order to prepare the struggle for freedom and decolonisation.

Then the winds of the desert shout at your face:

 

You were abandoned to forget her love,


You were abandoned to have a love story to tell,

So sing, and stop crying,

Sing and stop crying.

 

The heart of the exiled is a heavy heart, a suffering heart, full of memories of the desert, its moon and its sand.

For the poet, the exile is a Bedouin obsession.

The night represents the pain, the silence, the suffering and the cruelty, which, combined with the love for the lost homeland, turns into poetry.

Again the perception of the homeland is a perception of absence and lack, which nevertheless never loses sight of the political utopia of decolonisation and liberation of the Sahrawi land from the Moroccan yoke.


Here you can find the book:




Malainin Lakhal - Sahrawi-Poesie, Exil und Kampf gegen den Kolonialismus

February 11, 2021 0 Comments

Von Milena Rampoldi, ProMosaik, 7. Februar 2021. Die Gedichte des Journalisten, Menschenrechtsaktivisten für die Unabhängigkeit der letzten afrikanischen Kolonie, der Westsahara, wurden vor kurzem von ProMosaik in englischer, deutscher und italienischer Übersetzung veröffentlicht. Wir sind von der Bedeutung der Poesie im Dienste des Kampfes für unterdrückte Völker überzeugt, weil wir an die ästhetische und expressive Intensität der Poesie glauben, die als eine universelle Sprache gilt, die nicht nur persönliche Gefühle, sondern auch Begriffe, den politischen Aktivismus und Kampf und politische Bemühungen zum Ausdruck bringt, die für die Gerechtigkeit stehen.

Für uns erhebt sich die Poesie des Sahrawi-Volkes zu einer Dimension des antikolonialistischen Kampfes, auch wenn sie nicht direkt vom Widerstand spricht und auf Themen wie die Sehnsucht nach der Heimat, das Exil, die Mutter, die Frau, die Liebe und die Gefühle im Allgemeinen fokussiert.

Der Aspekt, der uns in Malainin Lakhals Gedichten am meisten auffiel, ist genau dieser Bezug auf das Gewöhnliche, auf den Fluss des Lebens und auf eine „normale“ Existenz, die aber immer vom Gefühl beschattet werden, sich im Exil zu befinden, draußen zu sein und folglich zu einem unterdrückten Volk zu gehören.

Es geht um den Bezug zur geografischen Entfernung von seinem Land, in das er nur zurückkehren kann, wenn es zum zweiten Mal dekolonisiert und zur arabischen Sahrawi Republik wird, die vom Joch der marokkanischen Monarchie befreit wird.

Die von der marokkanischen Monarchie begangenen Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten halten ungestört an.

Für Malainin gibt es keine Kompromisslösungen. Die einzige offene Option besteht in der Beendigung des Konflikts.

Und diese einzige offene Option besteht darin, dem Volk der Sahrawi sein Land zurückzugeben, damit es hier eine unabhängige arabische Sahrawi-Republik errichten kann.

Und diese Option würde die Entkolonisierung des gesamten afrikanischen Kontinents bedeuten, da die Westsahara die letzte afrikanische Kolonie ist.

Auf internationaler Ebene ist die Westsahara ein von allen vergessenes Land, eine Wüste voller Bodenschätze, die dem Sahrawi-Volk vor den Augen der Welt gestohlen wurde.

Die Welt schweigt, und das Leid des Sahrawi-Volkes hält nun schon seit Jahrzehnten an.

Es gibt nur wenige, die ihre Stimme gegen das Königreich Marokko erheben.

Die internationale Gemeinschaft scheint blind zu sein.

Das Schicksal des Sahrawi-Volkes, das in Flüchtlingslagern verstreut lebt und ins Ausland geflohen ist, ist besiegelt.

Es gibt keine Rückkehr in die Heimat, da diese von Marokko kolonisiert wurde.

Das Schicksal des Sahrawi-Volkes ist dem der Palästinenser, Uiguren und Rohingya ähnlich und doch so unterschiedlich.

Wir sind der felsenfesten Überzeugung, dass Poesie mehr tun kann, als man je für möglich gehalten hätte, um der Taubheit der Welt entgegenzuwirken.

Die poetischen Themen, mit denen sich Malainin befasst, verschaffen uns den Zugang zur kulturellen Welt der Westsahara, zu ihrer Geographie und Ethnographie.

Darüber hinaus versetzen sie uns in die Lage, die existenzielle Dimension des unterdrückten Dichters zu erfassen, da er sich einer Situation des Kolonialismus widersetzt, die er aber nicht besiegen kann.

Tief in seiner Seele entwickelt der Dichter das Gefühl der Entfremdung und des Leids, das sowohl sein Leben in seiner besetzten Heimat als auch sein Leben außerhalb im Exil vollkommen einnimmt. Denn er kann nicht in seine besetzte Heimat zurück.

Er träumt davon, zum Nationalfeiertag Kopf hoch in die freie Sahrawi-Republik zurückzukehren.

Alle von Lakhal verfassten Verse zeichnen sich durch diese Suche und durch eine poetische Weltanschauung aus, die als Ausdrucksform angesehen wird und die Situation des Exils, der Sehnsucht nach der Heimat, die sich in physische Symbole wie die Augen und die Brust der Mutter verwandelt, widerspiegelt.

Er schreibt, wie genau sich dieses Gefühl der Entfremdung und des unerträglichen Exils mitten in einem Flüchtlingslager in ein poetisches Lied verwandelt:

„Der Schmerz, ein Fremder zu sein, lebt in meiner Seele.

Der Schmerz, ein Fremder zu sein, zeichnet meine Seufzer.

Der Schmerz, ein Fremder zu sein, schreibt den Rhythmus

Der Sehnsucht, die meine Stimme bewegt.

Und er wird zum Wesen meines Gesangs

In einem gelben Gefängnis, das wie ein Trugbild erscheint“.

 

Im Gedicht „Leyla“, das auch der Heimat als weibliche Dimension des Lebens gewidmet ist, erinnert Lakhal an die Aufgabe des Dichters, die nicht darin besteht, zu weinen, sondern zu erzählen.

Die Aufgabe des Dichters besteht darin, seine Stimme zu erheben, um seinen Schmerz zum Ausdruck zu bringen und ihn der Welt mitzuteilen, um den Kampf für die Freiheit und die Befreiung von der Kolonialmacht vorzubereiten und zu begleiten.

„In diesem Augenblick schreien dir die Winde der Wüste ins Gesicht:

 Du wurdest verlassen, um eine Liebe zu vergessen,

Du wurdest verlassen, um eine Liebesgeschichte zu erzählen.

Also fang an zu singen und hör auf, Tränen zu vergießen.

Sing und hör auf zu weinen“.

 

Das Herz des Dichters im Exil ist ein schweres Herz, ein leidendes Herz, voller Erinnerungen an die Wüste, ihren Mond und ihren Sand.

Für den Dichter ist das Exil eine beduinische Besessenheit.

Die Nacht symbolisiert den Schmerz, die Stille, das Leid und die Grausamkeit, die sich in Verbindung mit der Liebe zur verlorenen Heimat in Poesie verwandeln.

Wiederum ist die Wahrnehmung des Heimatlandes eine Wahrnehmung von Abwesenheit und Mangel, die jedoch die politische Utopie der Entkolonialisierung und Befreiung des Landes des Sahrawi-Volkes vom marokkanischen Joch nie aus den Augen verliert.


Das Buch von ProMosaik LAPH finden Sie hier:




Aktionstag gegen den Krieg im Jemen: Schweizer Waffenexporte müssen endlich gestoppt werden!

February 11, 2021 0 Comments

Von Lewin Lempert, Pressenza, 6. Februar 2021. Seit seinem Ausbruch im Jahr 2015 hat der Krieg im Jemen zur schlimmsten humanitären Krise des 21. Jahrhunderts geführt. Anlässlich des internationalen Aktionstages gegen den Krieg im Jemen organisierte die GSoA vor dem Bundeshaus eine Aktion, um ein sofortiges Ende der Schweizer Waffenexporte an Jemen-Kriegsallianz zu fordern.


(Bild von GSoA)

von Lewin Lempert

Die Vereinten Nationen benennen die Situation in Jemen seit Jahren mit einem erschreckenden Superlativ: die „schlimmste humanitäre Krise der Welt“. Der Krieg und seine Folgen haben Stand heute den Tod von 250’000 Menschen verursacht. Schätzungen zufolge sind inzwischen mehr als 24 Millionen Menschen – rund 85 Prozent der gesamten Bevölkerung – im Land auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition, die wesentlich zu dieser desaströsen Lage beigetragen hat, wird auch von westlichen Mächten wie den USA, Grossbritannien, Frankreich, Spanien, Italien und Kanada unterstützt. Die USA und Grossbritannien versorgen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate mit Waffen, militärischer Unterstützung und Geheimdienstinformationen bei ihren Angriffen, die bereits Tausende von Zivilist*innen getötet haben.

Auch die Schweiz spielt eine unrühmliche Rolle in diesem Krieg. In den letzten fünf Jahren hat die Schweiz Kriegsmaterial im Wert von fast 75 Millionen Franken an die Mitglieder der Kriegskoalition exportiert. Mit anderen Worten: «Die Schweizer Rüstungsindustrie hat sich auf Kosten von Menschenleben im Jemen massiv bereichert», stellt GSoA-Sekretärin Nadia Kuhn fest.

Um diese Situation anzuprangern, organisierte die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) am Montag, dem internationalen Aktionstag gegen den Krieg im Jemen, eine Aktion in Bern. GSoA-Aktivist*innen legten vor dem Bundeshaus grosse, weisse, blutverschmierte Zahlen nieder, die den genauen Wert der Waffenexporte an die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition darstellen: CHF 74’416’469.

Im vergangenen Dezember nahm der Nationalrat eine Motion der sozialdemokratischen Nationalrätin Priska Seiler-Graf an, die ein Ende der Kriegsmaterialexporte an die am Jemenkrieg beteiligten Länder fordert. Nun muss noch der Ständerat über die Motion befinden. Für die GSoA ist es fundamental wichtig, diesen Antrag anzunehmen: «Wie kann ein Land, das ständig seine humanitäre Tradition betont, zur schlimmsten humanitären Krise der Welt beitragen? Diesen Antrag abzulehnen wäre absolut heuchlerisch», betont Nadia Kuhn.

Fotos der Aktion finden sich hier.